Wine-Times - das unabhängige Online-Weinmagazin
Helmut KNALL16.10.2009

Alles wird gut.

Zumindest in Bordeaux. Von dort kommen im Moment nur Jubelmeldungen über den neuen Jahrgang 2009. Und Jahre, die mit einem Neuner enden sind dort ja schon fast immer eine Bank. Das ist bei uns leider nicht ganz so.

Wine-Times
Danke für das Foto an Hans Werfring.

Nachdem zuerst in vielen Gegenden die Blüte verrieselte und danach riesige Flächen in vielen Teilen Österreichs vom Hagel getroffen wurden, begann man sich doch zaghaft zu freuen, denn das Wetter hielt aus und man erwartete zwar weniger Ertrag, aber doch noch sehr gute Qualitäten.

Anfang September begann aber wieder das grosse Zittern, bzw. ein mehr als rasches Lesen. Denn es war einfach zu warm. Das klingt jetzt vielleicht seltsam, denn gerade das wünschen sich die Winzer ja eigentlich. Und in manchen Gegenden funktionierte das ja auch ganz wunderbar, da hängen Trauben am Stzock, die kaum perfekter sein können. Aber halt nicht überall.

In vielen Weingärten konnten die letzten Regengüsse nicht mehr richtig aufgenommen werden, weil das Laub schon zu färben begann. Also ging die Flüssigkeit in die Trauben.

Das wäre noch nicht weiter tragisch, da die Beeren heuer eher klein waren und die Zuckerwerte schon recht ordentlich – und in „normalen“ Septemberwochen mit warmen Tagen und kühlen Nächten kann man da normalerweise zuwarten und später lesen.

Wenn es nun in der Nacht aber nicht kühl genug ist und sich auch noch der Tau auf die Trauben legt, der dann nicht mehr rasch genug abtrocknen kann, dann steht quasi die feuchte Luft im Weingarten - und dann ist das ein Paradies für raschen Pilzbefall.

Dazu kommen noch die Insekten, die die eine oder andere Beere anstechen. Die dünnen Traubenhäute platzen dann auf und die Beeren schimmeln. Und das geht in solch dunstigen Weingärten dann irrsinnig rasch. Teilweise gesellt sich dann auch noch ein Essigstich dazu.

Und schon hört man die ersten Stimmen, die den Jahrgang schlecht reden wollen.

Aber das ist falsch.

Denn in den letzten Tagen besuchte ich einige Winzer im Burgenland, in der Wachau, im Krems- und Kamptal, sowie am Wagram. Mehr oder weniger dasselbe Bild. Alle beginnen mit enormem Zeitaufwand auszulesen, damit die restlichen Trauben sauber bleiben. Und wenn es jetzt etwas kühler wird, dann verlangsamt sich diese Entwicklung, die Schimmelherde können dann austrocknen und fallen ab – und wenn es andererseits trocken genug bleibt, dann bildet sich eine saubere Botrytis.

Damit können unsere Winzer ja perfekt umgehen, wie selbst ganz schlimme Jahre, wie 1998 gezeigt haben. Denn Weine wie z.B. die Vinothekfüllung von Emmerich Knoll oder der Unendlich von F.X. Pichler aus diesem Jahr sind immer noch Granaten. Und ausserdem besteht die Chance auf ganz grosse Süssweine.

Also bitte nicht jetzt schon den Jahrgang schlecht machen, sondern auf die harte Arbeit, die vielen Lesedurchgänge und das Fingerspitzengefühl unserer Winzer vertrauen. Die können das!

Meint Ihr

Helmut O. Knall

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