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Facettenreich und würzig: Traminer.

Die Südtiroler widmen ihm alle zwei Jahre ein Symposion. Ein Bericht von Sigi Hiss.

Vom 5. – 7. Juli 2007 fand das 6. Gewürztraminersymposion in Tramin - Südtirol statt. Insgesamt vierzehn begleitende Seminare wurden angeboten. 140 Gewürztraminer aus 11 Ländern waren zur Verkostung bereitgestellt.

Facettenreich und würzig: Traminer.
Tramin von den steilen Weinbergen aus gesehen.
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Das reichte vom trockenen Wein bis zu Trockenbeerenauslesen und Eisweinen. Alle Weine waren reinsortig, zumindest nach den geltenden Weingesetzen der 11 Länder. Ein Riesenprogramm was die Organisatoren um Willi Stürz und Martin Foradori da zusammengestellt haben – vor allem in qualitativer Hinsicht.

Fest installiert im Reigen der europäischen Weinveranstaltungen, ist das internationale Gewürztraminersymposion in Tramin sicherlich das wichtigste Weinevent für diese Rebsorte schlechthin. Der Traminer ist zusammen mit dem Heunisch die wichtigste Ursprungssorte, aus der viele der heute verbreiteten Rebsorten entstanden sind, - so zum Beispiel Pinot Noir, Sauvignon Blanc, Grüner Veltliner oder auch der Silvaner.

Dass Bukettsorten wie der Gewürztraminer stärker, im Vergleich zu Nichtbukettsorten, Modeerscheinungen ausgesetzt sind, ist unstrittig. Der Weintrinker ist solcher intensiver Sorten durchaus schneller überdrüssig. Seit einigen Jahren schwimmt er auf einer Welle, sagen wir, der gebremsten Begeisterung. Vor zwanzig Jahren wollte niemand Weine aus Muskateller- oder Gewürztraminertrauben trinken. Rebanlagen wurden entweder gerodet oder vernachlässigt. Dass so entstandene Brachen auch Probleme bereiten, sieht man am Aufkommen der Schwarzfäule, welche auf, die im Ertrag stehenden Rebanlagen übergehen kann.

Prinzessin auf der Erbse oder unverwüstlicher Naturbursche?

Prinzessin auf der Erbse oder unverwüstlicher Naturbursche?
Die einzigartige Färbung des Traminers. (Foto: Traminer-Symposion, Jürgen Geier)


Eindeutig eine Erbsenzählerin. Im Rebberg ist sie nur mit sehr viel Aufwand auf Qualität zu bringen. Stark verrieselungsanfällig, sofort einsetzende Fäulnis bei feuchtwarmer Witterung und zu hoher Ertrag sind die typischen Schwierigkeiten der Sorte.

Sicher, niedriger Ertrag ist bei allen Rebsorten eine grundlegende Voraussetzung für Qualität, ganz besonders jedoch beim Gewürztraminer. Die Rebe ist von Haus aus wuchskräftig, und die Bemühungen Balance und Struktur im Wein zu erhalten, werden durch zu hohen Ertrag zunichte gemacht. Man spricht davon, dass 55 Hektoliter pro Hektar schon zu viel sind oder höchstens die Basis für Grundqualitäten liefern können. Bei 40 Hektoliter pro Hektar soll die obere Grenze für Spitzenqualität liegen.

Kurzes Anschneiden im Frühjahr und eine mögliche Grünlese bzw. Ausdünnen sind unabdingbare Maßnahmen. Das sehr ungleichmäßige Reifen der Beeren stellt ein weiteres Problem dar. Innerhalb einer Traube findet man oft Beeren, die vollständig ausgereift und andere die noch teilweise grün sind. Da kann man fast schon von der Quadratur des Kreises sprechen. Des weiteren ist darauf zu achten dass der Pressvorgang sehr schonend verläuft, Ganztraubenpressung wird empfohlen.

Bitter oder würzig.

Bitter oder würzig.
Blatt und Traube. (Für die ÖWM fotografiert von Armin Faber.)


Im Keller zeigt sich Prinzesschen deutlich robuster, jedoch gilt es auch hier ein paar Eigenheiten unter Kontrolle zu behalten. Die Gärtemperatur sollte 25 °C nicht übersteigen, um den Verlust an Aromastoffen in Grenzen zu halten. Die Gefahr von zu viel Bitterkeit, durchaus eine Charaktereigenschaft der Sorte, sollte nicht mit zu heftigem Aufrühren der Hefe verstärkt werden. Da das Geheimnis und die Exotik des Gewürztraminers in den Beerenschalen liegt, wo sich eben auch diese Bitterstoffe befinden, ist auch hier wieder die Quadratur des Kreises verlangt.

Ob mit Spontangärung oder Reinzuchthefen gearbeitet wird, ist beim Gewürztraminer nicht so bedeutend wie bei anderen Rebsorten. Der Ausbau im Barrique nimmt der Rebsorte das, was sie auszeichnet, ihr unnachahmliches Bukett nach Rosen, Gewürzen und exotischen Früchten.

In der Flasche angekommen neigt die Sorte ab und an zu einer gewissen Seifigkeit in Nase und Mund. In geringem Umfang nicht störend, kann es leicht zu viel werden, den Wein breit und unangenehm machen. Der typische hohe Alkoholgehalt benötigt physiologisch reifes Traubenmaterial, um eine gute Balance zu erreichen. Nur physiologisch reifes Traubenmaterial hat die nötigen hohen Extraktwerte, um dies zu gewährleisten.

Einige Seminare genauer betrachtet.

Einige Seminare genauer betrachtet.
Martin Foradori und Dario Cappelloni. (Foto: Traminer-Symposion, W.K.)


Südtirol authentisch.

Dario Cappelloni, Mitarbeiter des Gambero Rosso, stellte anhand von ausgewählten Weinen die besten Lagen des Südtirols vor. Einerseits um die Qualität aufzuzeigen und andererseits um die verschiedenen Charaktere des Gewürztraminers anhand der Weine mit den dazugehörigen Lagen zu demonstrieren. Elf Weine kamen zur Sprache, alle von großer Qualität und Eigenständigkeit. Keine aufgeblähten oder dickbackigen Weine bei den die Plumpheit ein Alleinstehlungsmerkmal ist.

Sehr deutlich wurden die verschiedenen Stile aufgezeigt, angefangen bei Weinen mit der bekannten Rosenaromatik, die oft einen ganz leichten seifigen Anklang haben, bis hin zu solchen, welche durchaus an Sauvignon Blanc aus kühleren Regionen erinnern, mit Noten nach frischem Gras, Stachelbeeren und Granny Smith Apfel und einer für Gewürztraminer kräftigen Säure. Als weiteren Stil stellte Dario Cappelloni Weine mit einem sehr zitrusfruchtigen Aromenprofil vor. Limonen, Orangen und Grapefruit sind hier oft die Leitaromen.
Alle haben eine deutliche mineralische Komponente und natürlich auch den hohen Alkoholgehalt gemeinsam. Spontan vergorene Exemplare waren auch des Öfteren zu finden. Die Besten dieser Selektion sind fett hinterlegt.

Die Weine die Dario Cappelloni vorgestellt hat:
Val Venosta 2006 Cantina Falkenstein
Valle Isarco Aristos 2006 Eisacktaler Kellerei
Alto Adige Kleinstein 2006 Kellerei Bozen
Alto Adige Mervin 2006 Burggräfler Kellerei
Alto Adige S. Valentin 2006 Kellerei St. Michael Eppan
Alto Adige Puntay 2006 Erste & Neue Kellerei
Alto Adige 2005 Kellerei Brunnenhof
Alto Adige Brenta 2006 Kellerei Kurtatsch
Alto Adige Kastelaz 2006 Kellerei Elena Walch
Alto Adige Kolbenhof 2006 Kellerei J. Hofstätter
Alto Adige Terminum 2005 Kellerei Tramin

Parallel dazu konnten im Keller des Schlosses 73 Gewürztraminer von 41 Südtiroler Weinproduzenten verkostet werden.

Das bio-dynamische Weingut Marcel Deiss.

Das bio-dynamische Weingut Marcel Deiss.
Marcel Deiss. (Foto: Traminer Symposion, W.K.)


Marcel Deiss wird seinem Ruf gerecht, mit rustikalen Charme in einer sympathischen Art. Den Elsässern sagt man eine gewisse angeborene Dickköpfigkeit nach und so hält er sich nicht immer so ganz genau an Regelungen und Vorschriften.

So wie er, sind auch seine Weine nicht einfach zu verstehen. Einem eher unerfahrenen Weinliebhaber würde ich diese Weine anfangs nicht empfehlen. Rein gar nichts von hellen oder gar exotischen Früchten oder einer kristallklaren Mineralität. Nichts was auf Anhieb gefällt oder Spaß macht. Eher sehr erdig, pilzig nach frischen Champignons, anfangs etwas muffig und nach welken Blüten duftend. Aber mit einer unheimlichen Tiefe und Komplexität, gepaart mit sehr kalkigen Noten.

Man muss sich mit den Weinen beschäftigen, gerade bei Marcel Deiss ist dies ein Muss; man muss gewohnte Vorlieben beiseite schieben, um den Weinen eine Chance zu geben, man könnte meinen sie haben die Dickköpfigkeit genauso vererbt bekommen wie ihr Macher.

Seit 25 Jahren wird ökologisch und seit acht Jahren bio-dynamisch gearbeitet. Das heißt, es wird nach den Prinzipien des Antroposophen Rudolf Steiner (1861-1925) bewirtschaftet. Ausgangspunkt allen Tun & Lassens im Weinberg, ist die naturgegebene Balance der Pflanze zu erhalten. Nichts steht für sich alleine, sondern alles ist in einem kontinuierlichen Kreislauf. Dabei werden sowohl die irdischen als auch die kosmischen Einflüsse zusammen zum Wohl der Rebe eingesetzt. Der Mond bzw. die Mondphasen mit ihren Kräften spielen hierbei eine bedeutende Rolle.

Ein weiterer zentraler Punkt ist im Rebberg ist gemahlenes Rinderhorn, zusammen mit weiteren natürlichen Dünger. Aufgüsse von Kräutern, das hört sich zunächst komisch an, bei genauerer Betrachtung erweist sich dies als sehr sinnvoll und nützlich. Ein gestörtes Gleichgewicht führt folglich zu Krankheiten und Störungen im Lebenszyklus der Rebe.


Önologische Betrachtung neuer Gewürztraminer-Klone.

Umberto Malossini, von der Versuchsanstalt San Michele all’Adige, zeigte anhand zweier neuer zugelassener Klone (ISMA 916 und ISMA 918) auf, wie neue Klone entstehen. Leider wurden zu viel Zeit auf die Vorgehensweise, anstatt auf die Eigenschaften der neu zugelassenen Klone genauer einzugehen. Interessant war es trotzdem.

Das Gewürztraminer-Sommerfest.

Das Gewürztraminer-Sommerfest.
Genussvoller Ausklang beim Sommerfest. (Foto: Traminer Symposion, W.K.)


Der Abschluss war noch mal ein kulinarischer und emotionaler Höhepunkt der drei Tage. Vor einer atemberaubenden Kulisse im Schlossgarten von Rechtental hat man einen wunderbaren Blick auf die umliegenden Täler mit ihren Weinbergen. Man fühlt sich ein bisschen wie im Paradies, wenn die Abenddämmerung einsetzt und einem der warme Wind um die Nase weht. Der Südtiroler Chefkoch Willy Winkler hatte ein Buffet vorbereitet, an dem wirklich jeder etwas für sein kulinarisches Vergnügen finden konnte. Neben den besten Gewürztraminern konnte man auch noch andere Weine der anwesenden Winzer probieren. Ein wirklich mehr als gelungener Abend – nur die Herren Kommunalpolitiker hatten vergessen dass der Gewürztraminer im Mittelpunkt stehen sollte und nicht sie selbst.

Fazit der probierten Weine aus 2006.

Der Jahrgang 2006 hat in den vorgestellten Weinbauregionen des Gewürztraminers eine sehr gute Qualität hervorgebracht. Wie anfangs erwähnt sind die plumpen, mit Restsüße gestopften Weine deutlich in der Unterzahl. Die bekannten Regionen mit ihren Produzenten stellen auch 2006 die Spitze. Die verschiedenen Stile der bekannten Regionen wie Elsass, Baden, Südtirol und Österreich lassen sich sehr gut unterscheiden. Aber auch die Regionen aus Übersee lassen ihre Herkunft erkennen.

Entgegen der auf dem Symposium oft gehörten Meinung, dass Gewürztraminer auch altern kann, sehe ich das überhaupt nicht so. Ein an sich wirklich grandioser 2001 Altenberg de Bergbieten von Leon Beyer hatte schon eine vernehmbare Altersfirne. Der 2002 Atagis von Loacker war ebenfalls schon von Firnen geprägt, dessen 1996er war schon über dem Zenit. Trockene Gewürztraminer haben im allgemeinen ein Lagerpotenzial von 2 bis zu 6 Jahren. Ausnahmen in beide Richtungen kommen vor. Die edelsüßen Varianten können sich Jahrzehnte auf der Flasche entwickeln und ihren Charakter weiterhin bewahren.

Über alle Jahrgänge, Produzenten und Stile hinweg kommt man nicht umhin den hier anwesenden Erzeugern ein großes Lob zu zollen. Es waren wohl jene Erzeuger in Tramin, die schon immer auf Qualität gesetzt haben.

Sigi Hiss

Ergänzung von Helmut O. Knall: Zum sechsten Mal war also Tramin, die Heimat des Gewürztraminers, Treffpunkt der Gewürztraminer-Weinwelt wie internationalen Winzern, Händlern, Experten der Wein- und Spirituosenbranche, interessierten Weinliebhabern und Gourmetfreunden.

Auch in diesem Jahr wurden Top-Gewürztraminer aus vier Kontinenten präsentiert und degustiert. Im romantischen Schloss Rechtenthal und dem Bürgerhaus von Tramin konnten die Gäste an hochkarätig geführten Gewürztraminerverkostungen und Kochlektionen teilnehmen und so neue Eindrücke gewinnen.

Als Highlight servierte der Drei-Sterne-Koch Heinz Beck des Restaurants „La Pergola“, Hilton Rom, ein raffiniertes Gourmetmenü, das von edlen Gewürztraminern, kommentiert von Marco Reitano, dem Sommelier des "La Pergola", begleitet wurde.

Eine exotische Atmosphäre zauberte Joseph Peter, Chefkoch des Restaurants „Mangostin“, München, der seine Gäste auf eine kulinarische Entdeckungsreise in asiatische Gefilde entführte. Mit Kreativität und sensorischem Feingefühl wählte der Weinjournalist Dr. Steffen Maus die passenden Gewürztraminer aus, die sich dank ihrer Aromenvielfalt auf ganz besondere Weise zu den fernöstlichen Speisen entwickeln.

Weinexperte Prof. Ulrich Fischer machte den Weinliebhabern die spannende Kombination von Gewürztraminer und Schokolade "schmackhaft", und die Schokoladenwerkstatt des Hauses Perugina enthüllte die Geheimnisse edler Gewürztraminertrüffel.

Die Seminare wurden von Sigi Hiss zusammengefasst. Beachten Sie die weiterführenden Links zu den weiteren Seminaren und Verkostungen.

David Schildknecht und ich blieben noch eine Woche in Südtirol und besuchten eine Menge bekannte und weniger bekannte Weingüter. Die Notizen dazu folgen demnächst, wenn das alles aufgearbeitet ist.
© by Helmut Knall
last modified: 2008-08-17 23:19:30

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