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Die in der zweiten Reihe sieht man nicht...

Warum eigentlich nicht?

Es gibt sehr viele wie Pierpaolo Bertolini, die sich als Önologe bei berühmten Weingütern verdingen, um den Lebensunterhalt zu sichern. Dafür pendeln sie täglich eine Stunde oder mehr - pro Fahrtrichtung. Aber deren Name steht nie am Etikett des 100 Punkte-Weines.

Die in der zweiten Reihe sieht man nicht...
Pier Paolo Bertolini abgelichtet _von Marco Tisi
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Pierpaolos Name steht aber auf dem Wein, der aus den paar kleinen Weingärten kommt, die privat, noch vor der Lohn-Arbeit, in den frühen Morgen- oder nach der Arbeit in den Abendstunden, wenn wir anderen schon im Gastgarten vor der Enoteca beim Aperitivo sitzen, von ihm bewirtschaftet werden. Die paar Hektar, die zum Leben nicht reichen.

Und die in Jahren, wie 2020, auch noch neben all dem anderen Wahnsinn dieses seltsamen Jahres, genau gar nix abwerfen, weil zwei Tage vor der geplanten Weinlese ein paar Wildschwein-Familien in diesen Weingärten All-Inclusive-Urlaub machten.

Dann waren ruckzuck nahezu alle Trauben weg. Ein Jahr mühsamste Arbeit - umsonst. (Das ist übrigens der Unterschied zwischen umsonst und gratis - drastisch von der Natur erklärt)

So geht es all diesen famosen Winzern "aus der zweiten Reihe" wie Pierpaolo Bertolini, der u.a. bei Le Pupille (Saffredi), bei Valdonica oder Rocca di Montemassi gearbeitet hat. Und der privat dann noch so wunderbare Weine wie diesen unter seinem eigenen Label Quercia Grossa" (Grosse Eiche) keltert.

Hier heroben auf knapp 600m Seehöhe an den Hängen des mittelalterlichen Bergstädtchens Roccatederighi, in der "Alta Maremma", im Süden der Toscana. Mit Blick auf das Tyrrhenische Meer, das keine 20 Kilometer Luftlinie entfernt schillert.

Die Böden hier heroben sind extrem mineralisch, denn in den "Colline Metallifere" wurden früher Eisen, Kupfer, Silber und andere Erze abgebaut, die Bäche transportierten viel davon im Geröll mit in die steilen Flanken der fruchtbaren Täler.

Quercia Grossa, Battifolle

Quercia Grossa, Battifolle
Perfekt balanciert. Saftig, fruchtig und ein perfekter Begleiter zu allen Pasta-Variationen mit Sugo auf Tomatenbasis.
Erfreulicherweise fand ich bei meinem Macellaio Sandro noch eine Flasche vom 2017er, der mir gerade beweist, dass er nicht nur Frucht, Struktur und Eleganz kann, sondern ruhig auch einige Jahre im Keller vergessen werden darf. Dieser Jahrgang besteht aus 70% Sangiovese und 30% Ciliegiolo. Ein extrem heisser Jahrgang, monatelang ohne Regen. Trotz der Hitze präsentiert sich der Battifolle erstaunlich süffig, da die frische Säure von den Traubensorten Sangiovese und Ciliegiolo erhalten blieb. Sehr fein.

Nachträgliche Ergänzung:
Inzwischen ist auch der 2018er auf dem Markt. Ein deutlich kühleres Frühjahr mit ordentlichen Niederschlägen, ein warmer aber nicht zu heisser Sommer und ein herrlicher Frühherbst, nahezu perfekte Bedingungen, wären da nicht einige Weingärten von Spätfrost und später dann Hagel zerstört worden.
Die Trauben, die überblieben, waren allerdings phantastisch, und so ist der Wein. Herrliche saftige Kirschfrucht, mittelkräftiger Körper, perfekt balanciert, recht lang und insgesamt recht elegant. Macht unglaublich viel Trinkspass, schon jetzt, wenn man ein grösseres Glas nimmt, hat aber auch Potential für einige Jährchen.
Ein ganz herrlicher Speisenbegleiter zur mediterranen Küche.
Den 2018er und andere Weine von Pierpaolo Bertolini gibt es übrigens jetzt auch in deutschsprachigen Ländern zu (fast) Ab-Hof-Preisen mit moderaten Versandspesen bei www.toscabio.de

Für Lateiner oder italienisch-kundige, keine Angst, das Quercia Grossa bezieht sich nur auf eine grosse Eiche in der Landschaft, im Wein ist keine Spur davon.

Und jetzt warten wir auf die Jäger, die uns hoffentlich eines dieser vermaledeiten Wildschweine bringt, denn die müssen ja hervorragend schmecken, mit all den herrlichen Trauben im Kreislauf...
© by Weinspitz_Helmut_Knall
last modified: 2020-11-11 16:23:10

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